Handball-Missionar aus Deutschland

Manager-Star, Betrüger, Modelagentur-Chef – das bunte Leben von Horst-Dieter Esch bekommt nun eine neue Facette in den USA.

 

Köln. Wenn das oft so kritische „Manager Magazin“ jemand bezeichnet als „eine der schillerndsten und vermutlich eine der erfolgreichsten Unternehmerpersönlichkeiten der letzten Dekade“, dann könnte man vermuten, dessen Name bliebe im Kopf der Öffentlichkeit hängen.

Doch so ist es nicht im Fall von Horst-Dieter Esch. 1982 verfasste das Magazin die Jubelzeilen, Eschs Aufstieg vom Sohn eines Maschinenschlossers zum Chef des Mainzer Baumaschinenkonzerns IBH hatte ihn zum Wunderknaben gemacht. IBH kaufte und kaufte, der „Economist“ nannte diese Expansion „Esch-pansion“.

Ein Jahr später war alles vorbei. IBH legte einen der spektakulärsten Konkurse der deutschen Nachkriegsgeschichte hin. Am Ende standen rund eine Milliarde Mark Schulden, beinahe wäre die Privatbank Schröder, Münchmeyer & Hengst, die IBH für 900 Millionen Mark Kredite bewilligt hatte, auch über den Jordan gegangen. 1984 verurteilte das Landgericht Koblenz Esch wegen Betrugs zu sechseinhalb Jahren Haft. 1988 kam er frei und wanderte aus in die USA. Dort kaufte er die Model-Agentur Wilhelmina und verdiente gut: Topmodels wie Linda Evangelista zählten zu seinen Klienten. Deutschland? Weit weg.

In den kommenden Monaten wird Eschs Name in der Heimat wohl wieder präsenter werden. Der Mann mit Wohnsitz in Park City, Utah, möchte bei Sponsoren Geld einsammeln um mit dem urdeutschen Spiel Handball den wichtigsten Sportmarkt des Globus erobern. „Ich habe mir aufs Schild geschrieben, Handball in den USA populär zu machen“, sagt Esch gegenüber dem Handelsblatt. Die erste Etappe, berichtet der 65-Jährige mit stolzer Stimme, sei erfolgreich bewältigt: „Seit 14 Tagen bin ich Präsident des US-Handballverbandes.“ Esch, laut eigener Aussage einst Torhüter im Feldhandball beim Turnverein Weingarten, vermittelt am Telefon den Eindruck, die Szene habe auf ihn gewartet: „Die Handballwelt hier atmet auf.“

Na gut, vielleicht nicht die gesamte Handballwelt. Seine Vorgeschichte sorgte für heftige Debatten in den wenigen Fan-Foren. Das US-Olympia-Komitee versicherte auf Anfrage des Onlinedienstes Handballnews, man habe Eschs Historie in zwei unabhängigen Prüfungen durchleuchtet: „In diesem Prozess war Mr. Esch vollkommen offen und transparent und mehr als kooperativ, wenn es um die Bereitstellung der nötigen Informationen ging.“

Vor eineinhalb Jahren habe ihn ein Freund auf die trostlose Lage des US-Handballs angesprochen: „Als guter Deutscher habe ich dann natürlich sofort gefragt: Wo sind die Strukturen? Wo ist der Verband?“ Es war wenig vorhanden. Das Nationale Olympische Komitee organisiert lediglich die drittklassigen Nationalmannschaften. Esch will nun alles aufbauen auf einem Treffen aller Interessengruppen vom 13. bis 15. Juni in St. Louis.

Esch ist nicht der Erste, der versucht, die USA für Handball zu begeistern. Die großen Anstrengungen des Weltverbandes IHF sind allesamt kläglich gescheitert. Das Problem: „Team Handball“, wie der Sport in den USA heißt, ist dort so exotisch wie Boßeln.

Der Deutsche glaubt dennoch an seine Chance: „In der Sommerpause stehen die großen Basketball-Arenen leer“, man müsse nur die Besitzer und Investoren überzeugen, dann Handball spielen zu lassen: „Das stößt auf erhebliches Interesse.“ Eschs Partner Dennis Berkholtz, 1972 Spieler der US-Mannschaft bei den Spielen: „Die deutschen Spieler sollen eine Mannschaft in New York stellen, die polnischen eine in Chicago“, sagt Berkholtz. Esch meint, acht Millionen Dollar reichen nicht. Das sei nur ein Anfang.

Die Frage ist, wer so viel Geld investiert. Handballsponsoren aus Europa, erklären Berkholtz und Esch unisono. Vor allem Geldgeber aus dem Kernmarkt Deutschland: „Wenn wir hier die nötigen Strukturen geschaffen haben, werde ich meine Bemühungen nach Deutschland und Europa richten“, sagt Esch. Adidas, Nike und Puma wolle er zuerst ansprechen. Ob die angesichts seiner Vergangenheit ein solch riskantes Investment eingehen, erscheint nach Lage der Dinge unwahrscheinlich. Esch indes versichert, er selbst wolle mit dem Handball kein Geld verdienen: „Handball ist für mich kein Geschäft, Handball ist mein Hobby.“

Erschienen am 13. Mai 2008 im Handelsblatt.